Hook-Orgel

Die Heilig-Kreuz-Kirche beherbergt seit 2001 ein ganz besonderes Instrument:
die 1870 für eine Gemeinde in Massachusetts gebaute Orgel op. 553 der Gebrüder Hook aus Boston (USA).
Ihr feiner, hochromantischer Klang und ihre besondere Geschichte machen sie zu einem Juwel der Berliner Orgellandschaft. Seit ihrer Wiedereinweihung im Jahr 2001 erklang sie zu unzähligen Gelegenheiten. Zahlreiche namhafte Organist/innen haben bereits auf dem 1870 in Boston gebauten Instrument gespielt, darunter Ludger Lohmann, Arvid Gast, Christa Rakich und Cameron Carpenter.

Spendenaufruf Hook-Orgel

150 Jahre gehen an einer Orgel nicht spurlos vorbei. Es sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen nötig, um das Instrument dauerhaft auch künftigen Generationen erlebbar zu machen:

  1. Die Orgel ist nur mit großem Kraftaufwand zu spielen und leidet unter einer schlecht regulierbaren Traktur, was regelmäßig zu Tonhängern führt. Hier soll mit teils sehr aufwändigen Maßnahmen eine langfristige Verbesserung des Spielgefühls und der Zuverlässigkeit des Instruments erreicht werden.
  2. Angesichts der beengten Verhältnisse am ursprünglichen Aufstellungsort der Orgel verzichteten die Orgelbauer auf ein Zungenregister im Pedalwerk, das in vergleichbaren Werken zu finden ist. Für eine Orgel dieser Größe ist dies ein Manko, das die Repertoireauswahl und die klanglichen Möglichkeiten im Bassbereich erheblich einschränkt. Hier soll ein neues Register nach historischem Vorbild eingebaut werden, das sich nahtlos in das Klangkonzept der Orgel einfügt.
  3. Durch die intensive Nutzung des Kirchenraums und die offene Gehäusegestaltung ist die Hook-Orgel einer überdurchschnittlichen Staubbelastung ausgesetzt. Dies beeinträchtigt die Tonerzeugung an der Pfeife, die Stimmbarkeit und das Gesamtklangbild der Orgel in beträchtlichem Maße. Eine umfangreiche professionelle Reinigung ist daher dringend geboten. Weiterhin weisen einige Pfeifen Korrosionsspuren auf, die nach der Klärung der Ursachen entfernt werden sollen, verbunden mit Maßnahmen zur Prävention. Im Anschluss wird die gesamte Orgel gestimmt und nachintoniert.
  4. In verschiedenen Holzteilen der Orgel sind Risse vorhanden, deren genaues Ausmaß erst nach Ausbau der Pfeifen begutachtet werden kann. Diese sollen ausgebessert werden, um die Funktion der Orgel langfristig zu gewährleisten.

Der Gemeindekirchenrat Heilig Kreuz-Passion hat entschieden, die Hook-Orgel restaurieren zu lassen, um das Instrument auch für die nächsten
Jahrzehnte zu erhalten. Die mehrmonatigen Arbeiten sind für den Sommer 2021 vorgesehen.
Das dafür notwendige hohe Maß an Handarbeit kostet viel Geld – wir erwarten für dieses Projekt Kosten in Höhe von ca. 110.000 €.

Sie können uns mit Ihrer Spende helfen, unsere in Deutschland einzigartige Orgel zu restaurieren – am besten per Überweisung an:

Ev. Kirchengemeinde Heilig Kreuz-Passion  

IBAN: DE 37 5206 0410 0203 9955 77 bei Evangelische Bank eG

Verwendungszweck: Hook-Orgel

Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden, wenn Sie auf der
Überweisung Ihre Adresse vermerken.

Die Gemeinde dankt schon jetzt allen Unterstützern!

Eine Hook-Orgel für Berlin

Die Herkunft
Berlin verlor in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die meisten seiner Orgeln. Daher gab es kein größeres Instrument mit Schleifladen und mechanischer Traktur mehr, auf dem Werke der Früh- und Hochromantik angemessen interpretiert werden konnten.
Im Sommer 1991 bot sich eine außergewöhnlich günstige Gelegenheit: In Woburn bei Boston stand das Instrument der First Unitarian Church der Orgelbauer E. & G. G. HOOK aus dem Jahre 1870 zum Verkauf. Die Gemeinde war fast ausgestorben, so dass Kirche und Inventar verkauft werden sollten.

Das Instrument wurde abgebaut und über Boston und Hamburg nach Berlin gebracht. Dort wurde es eingelagert, bis die Wiederaufstellung und Finanzierung der Restaurierung geklärt waren.

Die Hook-Orgel in ihrer neuen Umgebung
Die Orgel aus Woburn ist eine der klangschönsten, die es gibt. Die Wärme der Grundstimmen und die Brillanz der Mixturen und Zungenstimmen bilden eine unverwechselbare Einheit. Werke des Spätbarock bis hin zu Kompositionen der Spätromantik lassen sich sehr gut darstellen. Optimal ist die Orgel für Werke der Früh- und Hochromantik geeignet.

Das Instrument war vor dem Abbau voll spielbar, befand sich aber in einem schlechten Zustand. Pfeifen waren beschädigt und die oberen Pfeifenränder durch das Stimmen stark beschädigt. Die Holzpfeifen und Windladen waren ausgetrocknet und zum Teil gerissen. Die akustischen Verhältnisse in Woburn waren ungünstig: Die Wände und Decke der Holzkirche, die Teppiche und Vorhänge sowie Sitzkissen verhinderten jeglichen Nachhall. Durch die Einengung des Instrumentes in der Nische konnte sich das Instrument nicht entfalten.
Die Orgelbauer versuchten dieser Sachlage durch weite Mensuren und kräftige Intonation entgegenzuwirken. Andere Orgeln der Firma Hook haben ein eigenes Gehäuse oder sprechen offen in den Raum.
Die Situation in Woburn ist ungewöhnlich; eine „normale“ Raumsituation hätte den Orgelbauer sicher zu einer anderen Lösung veranlasst. Dennoch ist das Instrument „klassisch“ in der Anordnung seiner Manualwerke Great, Solo (Choir) und Swell und ist typisch für die Orgelbautradition in Neu England.

Die Heilig-Kreuz-Kirche, ein neugotisches Bauwerk von Johannes Otzen von 1885-1888, war nach einem innovativen Umbau ohne Orgel. Die Kirchengemeinde erwarb die historische Orgel, plante eine neue Prospektfront und projektierte die erforderlich gewordene Restaurierung.

Der Auftrag für eine Instandsetzung ging an die Firma Hermann Eule Orgelbau in Bautzen. Die beiden Doppelfaltenbälge und die Barker-Maschine wurden neu beledert; ein elektrisches Gebläse mit Vorbalg neu angeschlossen. Die Risse im Ventilbereich der Windladen wurden ausgespant, wie auch zahlreiche Transportschäden an der Mechanik zu reparieren waren.

Die Neugestaltung des Prospektes orientierte sich an der V-Form des Windladenaufbaus. Der alte Prospekt füllte die Nischenöffnung in Woburn aus, hatte aber keinen Bezug zum Windladenaufbau. In der Heilig-Kreuz-Kirche bot sich eine Neuordnung an, in die auch die vier wegen mangelnder Höhe als gedeckte Holzpfeifen ausgeführten tiefsten Pfeifen C bis Ds des Double Open Diapason 16´ einbezogen wurden: diese Pfeifen wurden neu gebaut. Die Holzpfeifen wurden im Innern der Orgel eingelagert. Die beiden Seitenfelder der Orgel mussten neu gebaut werden, damit die Balganlage auf der rechten und eine Windlade auf der linken Seite verdeckt werden konnten. Der Unterbau in der Mitte der Orgel ist alt, ebenso der original erhaltene Spieltisch.

Bei der Restaurierung der Prospektpfeifen wurde die nicht originale Goldbronzierung abgetragen, die im neuen architektonischen Kontext nicht beibehalten werden konnte. Dabei wurden die Konturen der originalen Ornamentierung freigelegt.

Text von Prof. Dr. Uwe Pape

Die Disposition

Great
(II, C-a3, eine Windlade)
Swell
(III, C-a3, eine Windlade)
Solo
(I, C-a3, eine Windlade)
Pedal
(C-fl, flache Klaviatur, drei Windladen)
Dble. Open Diapason 16´Bourdon Treble 16´Lieblich Gedackt 16´Dble. Open Diapason 16´
Open Diapason 8′Bourdon Bass 16´Geigen Principal 8´Violone 16´
Viola da Gamba 8´Open Diapason 8´Dulciana 8´Dble. Dulciana 16´
Viol d’Amour 8´Std. Diapason 8′Melodia 8´Quint 10 2/3´
Doppel Floete 8´Aeoline 8´Violin Principal 4´Violoncello 8´
Flauto Traverso 4´Salicional 8´Flute d’Amour 4´Principal 8´
Principal 4´Flute Harmonique 4´Picolo 2´ 
Twelfth 2 2/3´Principal 4´Clarionet 8´ 
Fifteenth 2´Flageolet 2´Carillions 2´ 
Mixture 3 ranks 2´Cornet 3 ranks 2 2/3´Tremulant 
Acuta 3 ranks 1´Vox humana 8´  
Trumpet 8´Cornopean 8´  
 Oboe 8´  
 Tremulant 

Das Solo steht hinter dem Great, das Swell steht über dem Solo.
Das „Carrillion” ist vermutlich das älteste Schlagzeug-Register der USA.
Das Pedalwerk hat keine gekröpften Pfeifen.

Zwei Magazinbälge.
Barker-Druckschalter „On“ and „Off“ unterhalb des Swell Manuals:
Great to pneumatic (Barker für Great),
Swell to pneumatic (Barker für Swell an Great),
Solo to pneumatic (Barker für Solo an Great)

Mechanische Koppeln:
Swell an Solo, Great an Pedal, Swell an Pedal, Solo an Pedal

Tritte ohne Beschriftung:
Swell Forte (alle Register ohne Vox humana)
Swell Piano (alle 8´-Labiale und Flöte 4´)
Great Forte (alle Register ohne Mixturen und Trompete)
Great Piano (Viola da Gamba, Viol d´Amour, Doppelflöte, Flöte 4´)
Pedalventil (alle Register ohne Violone und Double Dulciana)
Great an Pedal (an/ab)

Schwelltritt zum Einhaken, doppelte horizontale Jalousien,
Schwellanzeige über der Klaviatur.
Pedalsperre, Balgsignal, Balganzeige über der Klaviatur